Physical Philosophy bietet mir eine Form, Sprache und Tanz zu verbinden.

Gesprochene Sprache und Körpersprache.

Mittels Sprache und Bewegung treten wir in Beziehung zu uns selbst und zu unserer Umwelt. Als ausgebildete Juristin und Geisteswissenschaftlerin war mir Sprache von jeher wichtiges Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Mittel auch, sich selbst zu erklären und andere zu verstehen. Individualität zu präzisieren und Gemeinschaft herzustellen. Vor allem deshalb spreche/verstehe ich sechs Sprachen.

Doch wie kommuniziere ich dort, wo Sprache sich (noch) nicht ausdifferenziert hat? Wo keine gemeinsame gesprochene Sprache besteht? Mit Kindern, mit Fremdsprachlern, mit Anders-Denkenden?

Wie kann ich Wege finden, meine Erfahrungen im Tanz mit meiner Sprache zu verbinden? Sprechen, bevor und während ich tanze. Sprechen danach.

Einige der folgenden Projekte zeigen meine Arbeit an philosophischen Themen über Sprache, Körper und Kunst. Ich habe Momente von Körpersprache zu Bildern kristallisiert und mich Tage, Wochen, Monate später von diesen Bildern zu Sprache inspirieren lassen. Dabei haben sich Gedanken formuliert, die so oder ähnlich auch im Zeitpunkt der Bewegung durch mich flossen. Manchmal haben sich aber auch völlig neue Zusammenhänge erschlossen. Ideen sind flügge geworden und haben neue Bewegung hervorgerufen: Sie wurden Inspiration für meinen Tanz. Sie wurden Grundlage für Kursausschreibungen und Kursinhalte   (z. B. Körper und Zeit; Der entschleierte Körper) und haben so andere bewegt, die ihre Erfahrungen wiederum in Worte gefasst haben. Eine potentiell unendliche Verkettung von Bewegung und Sprache.

Im Folgenden finden Sie meinen Tanz und meine Texte zu verschiedensten Themen.

Gerne erfahre ich Contact.Links, was Sie dazu zu „sagen“ haben – in welcher Sprache auch immer: tänzerisch, künstlerisch, kurz angebunden, philosophisch...
Dies sind die Themen unseres Dialogs:

Körper & Zeit
Körper & Raum
Oak & I  (Eiche & Ich)
Konzepte
Der entschleierte Körper

Gleichgewicht             
Halten & Loslassen
Integrierte Evolution


Körper und Zeit


Wir können heute die Zeit genauer messen als die Länge. Da stellen sich mir die Fragen:

Wie drückt sich mein Körper in der Zeit aus?
Wie kann mein Tanz dicht werden, für mich selbst und meine Zuschauer präsent?
Wie werden meine Beine schnell, mein Blick lang, fast zeitlos?
Wo in meinem Körper scheint die Zeit still zu stehen, wo treibt mich ein klarer Puls von Schlag zu Schlag?
Über 800 Rhythmen kennt der Körper – welchen Trommlern folge ich und was bewirken die Trommeln der anderen?
Gehe ich in der gerade ausgeführten Bewegung auf oder lebe ich schon die nächste?
Stille und Dynamik. Stress und Ewigkeit. Lineares und zirkuläres Zeitverstehen. Embryologie und Bewegung in der Zeit der Schwerkraft.
Und: wie kann ich diese Zustände nutzen für Tanz, Bewegung, Alltag?

Mit Methoden des Body-Mind Centering werden wir uns an das unterschiedliche Zeitverständnis einzelner Stellen und Zellen unseres Körpers herantasten, es in Bewegung erfahren und umsetzen, es bewusst abrufbar machen.
Herz. Atmung. Blutkapillaren. Nervensynapsen. Stimme. Drüsen. Sinnesorgane. Immunsystem. Grundlegende Bewegungsmuster im Mutterbauch und in der ersten Lebenszeit auf Erden werden hier besucht.



Körper & Raum



Ah, Raum um mich.
Und wenn ich warte bis er sich noch mehr entfaltet?
Und dann hineinwachse?


Raum um uns - wie weit ist er uns erfahrbar? Mit unseren Sinnen? In unserer Bewegung? Und: wie lässt er sich nutzen? Um immer wieder neu ins Gleichgewicht zu kommen... Wie viel Raum ist uns beim Bewegen präsent? Wie viel gestehen wir uns zu? Wie groß lassen wir unsere Körper werden?
Räume erfahren, füllen, mit anderen teilen, verlassen.
In welche Richtungen und Raumebenen organisiert sich unser Körper? Wo sind seine Ankerpunkte im äußeren und inneren Raum? Nabelzentrum, vertikale Achsen und horizontale Membranen. Gelenkräume. Raum zwischen den Zehen, hinter den Kniekehlen, unter den Achseln...
Raum als Plattform. Welche neuen Räume öffnen sich dem Denken?
Dieses Thema bietet Raum für Fragen und das Forschen an den Antworten. Raum für Improvisationen allein und mit anderen. Raum für Freude. Raum für Erfahrungen.



Oak and I (Eiche und Ich)


Die folgenden Bilder und Gedanken entstammen meinem Abschlussprojekt “Oak and I” für das BMC Practitioner Programm. Das Forschungsthema war “Distale Bewegungsinitiierung”, will heißen: wie können wir Bewegung in der Peripherie unseres Körpers (Finger, Zehen, Kopf, Steißbein) beginnen und wo führt uns das hin? Meine Forschungen haben mich zu teils unerwarteten Fragestellungen geführt:

  • Fragen der Unterstützung; von wo erwarten wir uns Unterstützung? Es gab da einen Moment im Baum, wo ich glückselig dachte, dass dieser großzügige Baum mir Äste bietet, wo auch immer ich sie brauche. Aber dann wurde mir klar, dass es wohl mehr so ist, dass ich mich auf die Realität einstelle und mich mit dem zufrieden gebe, was mir da angeboten wird. Denn ganz eindeutig gab es da Stellen, an denen sich mir keine Äste entgegenstreckten. Dennoch war ich zufrieden. Warum nur ist es so viel schwieriger, sich mit den Ästen zu begnügen, die einem die Mitmenschen anbieten? Oft sind das recht viele – und doch verlangen wir nach einer Weile, sie möchten doch noch weitere Äste für uns wachsen lassen.
  • Fragen des Gleichgewichts. Was ist denn nun wirklich distal (zentrumsfern) und was proximal (zentrumsnah)? Was ist außen und was innen? Was ist oben und was unten? Zeitweise wurde das alles einerlei – aber dann hat mir die Schwerkraft wieder auf den Boden der Realität geholfen (und einmal bin ich dorthin gefallen). Die Schwerkraft ist eine Partnerin, auf die wir uns immer verlassen können.

  • Fragen danach, wer ich bin und wer meine Familie ist. Nach Tagen und Tagen im Baum wurden wir so vertraut. Vögel landeten gleich neben mir, Spechte haben sich auf der Suche nach Nahrung tief in die Äste der Eiche gebohrt, Eichhörnchen haben sich für den nahen Winter die Bäuche vollgeschlagen und mich in sorgloser Überraschung betrachtet. Ich fühlte mich mit allen und allem verbunden. 

  • Und so vieles mehr.

 

Das Projekt bestand aus einem Buch mit Photos und Gedichten sowie einer 20minütigen Performance. Ort und Partnerin: Die große Eiche auf dem Campus des Hampshire College, Amherst, USA, gleich neben dem Fußballfeld.

Wie es dazu kam:

            mein Vater war gerade erst gestorben und ließ mich ohne Familie

            will (für mich?) heißen: mit weniger Unterstützung, weniger Begrenzung,

            und dann diese Lust zu leben, die aus mir erwuchs, von ganz tief drin,

            dieses Wissen, „genug gestützter Haltung“.

            jetzt greif ich aus und find im Außen meinen Halt.

            Und da lese ich:

“...wir leben nicht genug am Boden, und deshalb verlieren wir ... die distalen Initiierungen“


(Bonnie Bainbridge Cohen in einem Interview in Contact Quarterly 5:2, Winter 1980 mit Lisa Nelson und Nancy Stark Smith = Sensing Feeling and Action Body-Mind Centering - Books , Seite 58)


touch

 



tasting input

 

 

starfish on tree

 


extremities

 


changing roots

 

 

eyes

 



Konzepte

Wie verändern, wie begrenzen, wie erweitern Konzepte unsere Bewegungsvielfalt, unsere Wahrnehmung, unser Leben?

Wie stark sind unsere Muster in der Bewegung, im Denken, im Verhalten? Wie finden wir neue Möglichkeiten: Von der Bewegung der (ersten) Zelle bis hin zu unseren Bewegungsmustern im Bezug zur Schwerkraft.

Wie fest oder frei oder fließend ist unsere Einstellung zu Tanz, Bewegung, zu sinnlichem Erfahren, zu Alter, zur Essenz, die das Selbst vom Anderen unterscheidet?

Chögyam Trungpa (Shambhala):
„Jeden Impuls zu verlangsamen, soll der beste Weg zum Beginnen sein.”

Wir erforsen Möglichkeiten zur Verlangsamung im Nervensystem. Wir untersuchen Strukturen im Immunsystem, die Durchlässigkeit von Membranen, unsere Vorgaben an die Sinnesorgane, unsere Reflexe und (frühkindlichen) Bewegungsmuster. Mit Stille und Stimme.



Der entschleierte Körper

Behind the veils

there is more

to be discovered:

Magic.
Structure.


Life.



Wir bestehen unseren Alltag, wir bewegen uns, wir tanzen. Wild, ausdauernd, sanft. Mit unserem Körper, durch unseren Körper, wie es scheint.

Doch: was ist das eigentlich, was sich da ausdrückt? Welche Anteile unseres Körpers sind uns überhaupt vertraut? Und: welche kommen nur selten zum Ausdruck, bleiben meist verborgen hinter Schleiern getrübter Aufmerksamkeit?

BMC will einige dieser Schleier unseres Körpers lüften, Wege weisen zum Unvertrauten, die Sinne öffnen für all das, was da noch im Verborgenen wartet. Dies geschieht vorrangig anhand angeleiteter und freier Bewegungsstudien, daneben aber auch über anatomische und physiologische Veranschaulichungen, Stimm- und Atemarbeit. Wir besuchen: Organe. Flüssigkeiten. Wahrnehmung. Und anderes mehr. Eine Entdeckungsreise ohne Ende...



Gleichgewicht



Im Tanz, im Alltag: manchmal bewegen wir uns ohne Verbindung zum Boden, zum Raum um uns, zu anderen, zum eigenen Körper. Eine Version, das Gleichgewicht zu halten. Doch es gibt mehr:

Welche Strukturen, Gegebenheiten unserer Umwelt können wir für unsere Bewegung, unser Verhalten nutzen? Und: Wie nutzen wir sie im Zyklus der Möglichkeiten von verschmelzen – abgrenzen – wollen – verwirklichen (yield – push – reach – pull)?

Welche inneren, welche äußeren Räume stehen uns zur Verfügung für raumgreifende und zentrierende Bewegung? Welche Richtungen und Raumebenen? Welcher Körper? Anscheinend vertraut, und doch...

Das Body-Mind Centering liefert eine Methode zum Erkennen unserer anatomischen und kinästhetischen Grundmuster. Wir erforschen eigene Präferenzen und finden neue Möglichkeiten. Wir untersuchen unterschiedlichste Aspekte der Balance: Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Propriozeption. Reflexe, Stell- & Gleichgewichtsreaktionen des Körpers. Endokrine Drüsen. Stolpern und Fallen. Und mehr.

 

Halten und Loslassen


halten
festhalten
festhalten
loslassen
fließen
weiterfließen
halten
und so
weiter


Halten und Loslassen -  zwei unüberwindbare Gegensätze?

Wir erforschen die Übergänge von einem Zustand in einen anderen: emotional sowie qualitativ in Ausdruck und Bewegung. Allein und im improvisierten Kontakt mit anderen finden wir spielerisch Varianten von fließend bis abrupt, ganz wie wir wollen.

Dabei dient das Aufgehoben- und Gehaltensein (von der Schwerkraft) als notwendige Körpererfahrung und Voraussetzung für die Lösung vom Gewohnten. Auf dieser Basis erscheint dann das Aufgeben von Kontrolle nicht mehr als Verlust, sondern als schlichtes Weiterbewegen in die nächste Situation.  So erarbeiten und nutzen wir das Release in der Tanz- und Körperbewegung, genährt durch inneres Loslassen von Konzepten, Ideen und Wünschen.

Themenschwerpunkte sind die ursprünglichen Reflexe und Flüssigkeiten unseres Körpers, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und die Nervenrezeptoren in den Gelenken, das Zusammenspiel von Muskelfasern  und Faszienschichten, der Fluss im Bindegewebe.



Integrierte Evolution

aus dem wasser

als ich das wasser verließ

das erste mal

dörrte ich aus und sah

mich allein unter gehern

aufgehangen zwischen

erde und all

wie sollte ich sie nicht spüren

die trennung

wie sollte ich ganz bleiben

ich kehrte zurück hierhin dorthin

kehrte zurück tränennass

bis erleuchtungsklar mit der zeit

ich in mir den fluss fand

wellen gezeiten ruhendes wasser

und weisheit füllte mich warm

dass es sie gar nie gab

die trennung

ich kann gehn hierhin dorthin

und alles ist eins