Wir alle haben Potentiale, die wir unterschiedlich stark nutzen und manchmal auch vernachlässigen. Vor allem die Wahrnehmung unseres eigenen Körpers wird oft sehr eingeschränkt auf einzelne Aspekte (Muskeln, Knochen) oder überhaupt erst bei Beeinträchtigung und Schmerzen zum Thema.

Dabei können alle Menschen, wenn sie nur offen sind, die eigene Körper- und Stimmungswahrnehmung verfeinern und zum natürlichen Bestandteil ihres Lebens werden lassen.

Es gibt viele Wege dorthin. Ich möchte Ihnen gern den Weg über den kreativen Umgang mit Körper und Geist aufweisen:

Was steckt noch unentdeckt in jedem einzelnen?
Welche ganz individuellen Übergänge finden wir zwischen Spüren und Bewegung? Zwischen Innen- und Außenwelt?
Wie können wir Neues entlocken, Mut machen und Raum schaffen für jegliche Ausdrucksform?Neues entlocken, damit wir anders durch die Welt gehen.

Methodisch stütze ich mich in meiner Arbeit vor allem auf das Body-Mind Centering, vermittle es und entwickle es weiter. Für Kinder in der speziellen Ausprägung des IDME Kids.IDME . Diese Methoden sprechen mich besonders an, denn sie fordern von mir als Lehrkraft fundiertes Wissen über Bewegungsabläufe, Anatomie und Physiologie und bieten dadurch eine klare Struktur. Darüber hinaus öffnen sie Freiräume zum Forschen: zum Erforschen des eigenen Körpers, zum Spiel mit philosophischen Fragestellungen, zur konkreten Arbeit an Bewegungs- und Verhaltensmustern mit dem Ziel, sie zu erweitern oder verändern. Und dieses Forschen reflektiert auf die Methode des BMC: Mit den im Unterricht aufgeworfenen Fragestellungen und den von allen Beteiligten beigetragenen, verschiedensten Forschungsergebnissen entwickeln wir die Methodik weiter, öffnen ihr neue Räume.

Was nun aber ist diese Methode Body-Mind Centering?

Ich will versuchen, das nach allgemeinem und meinem ganz persönlichen Verständnis zu erklären.

Dabei wird sich zeigen, wie die unbeschreibliche Klarheit und Offenheit dieser Arbeit bereits tief in ihrer Methodik verankert ist. Wie sie weitreichende Auswirkungen hat, die oft erst nach der eigentlichen Körper-Geist-Erfahrung deutlich zutage treten. Und wie sie sich widerspiegelt in der Anwendbarkeit auf alle Themen, Bedürfnisse, Menschen.

 

Wie lässt sich Body-Mind Centering® allgemein beschreiben?

BMC ist eine von der Bewegungsforscherin Bonnie Bainbridge-Cohen in den USA entwickelte Methode, die auf anatomischen, physiologischen und psychologi­schen Prinzipien basiert. Diese „Körper-Geist-Zentrierung“ kennt zwei Haupt­grundlagen:

Ein Aspekt ist das Studium der Körpersysteme, die jeweils Bezüge zu unserem Verhalten und Denken haben. Z.B. findet man in den Organen die Tiefe der Emotionen; im Skelett die Stützfunktion und Gelenkhebel, entlang derer sich das Denken orientieren kann; in den Körperflüs­sigkeiten die Beweglichkeit zwischen Standpunkten, die Balance zwischen Rhythmen von Aufgeregt­heit und Ruhe. Ist der Zugang zu einem weniger vertrauten Körpersystem erst gefunden, kann man es immer wieder aktivieren: man gewinnt neue Bewegungsqualitäten, frische Impulse für eingefahrene Verhaltensmuster und einen anderen Heilansatz für körperliche Beschwerden.

Der zweite Aspekt ist die Auseinandersetzung mit der frühen Bewegungsentwicklung. Unter Nutzung dieser neuromuskulären Bewegungsmuster lässt sich das Bewegungsspektrum differenzieren und erweitern. Bewegungsabläufe lassen sich genauer erfassen und effizienter gestalten. Die Präsenz des Körpers im Verhältnis zu Raum und Schwerkraft wird erfahrbar. Bei kranken wie gesunden Menschen jeden Alters können Bewegungs- und Entwicklungs­schwierigkeiten erkannt und durch gezielte Übungen gelöst werden.

Die Wichtigkeit der Bewegung

BMC gibt der Bewegung die Wichtigkeit zurück, die ihr in unserer Kultur oft abhanden gekommen ist. Bewegung als Ausdrucksform, aber auch als weiterer Sinn zur Wahrnehmung des Selbst und der Umwelt. Bewegung als Möglichkeit, die Manifestation des Geistes durch den Körper zu beobachten. Und Bewegung als Weg, Veränderungen in der Beziehung von Körper und Geist herbeizufüh­ren. Und schließlich:

Bewegung kann ganz einfach Freude machen!
 


Die Zentrierung von Körper und Geist

Unsere abendländische Kultur hat eine lange Tradition der Trennung von Körper und Geist. Eine Trennung, die anderen Kulturkreisen (Asien, Afrika) völlig fremd ist. Die auch unserem eigenen Wesen ursprünglich fremd ist. Selbst wenn wir dieses trennende Selbstbild in den Jahren des Erwachsenwerdens integriert haben, gibt es doch immer wieder Momente, in denen uns diese Trennung als befremdlich und störend erscheint. Seltene Zufriedenheit darüber, dass da mal „der Bauch“ mitentscheiden durfte. Ärger darüber, dass „der Kopf“ immer die Kontrolle behalten muss.

Ich finde es oft schon einen versöhnlichen ersten Schritt zu erkennen, dass auch der Kopf Teil des Körpers ist und nicht eben sein Widersacher. Alle Zellen unseres Körpers stammen von unseren ersten Zellen und sind somit nah verwandt, auch wenn sie sich später – zum Wohle des Gesamtorganismus – spezialisiert haben. Insofern ist auch die eifrig tätige Nervenzelle eine Schwester jeder Zelle „im Bauch“ – und würde sich vielleicht von deren langsameren Müßiggang gern anstecken lassen, wenn sie das nur dürfte...

Bonnie Bainbridge Cohen, die Begründerin des BMC, vergleicht in ihrem Buch Sensing, Feeling and Action (siehe dazu auch am Ende dieser Seite) Körper und Geist mit Sand und Wind:

 

"Body-Mind Centering (BMC) ist

eine fortwährende Erfahrungsreise in den lebendigen, sich wandelnden Körper.

Der Forschungsreisende ist der Geist (Mind) – unsere Gedanken, Gefühle, unsere Energie, Seele und

geistige Essenz.

Diese Reise führt uns zu einem Verständnis dafür,

wie sich der Geist durch den Körper in Bewegung ausdrückt.

In der Natur gibt es etwas, das

Muster herausbildet.

Wir, die wir ein Teil der Natur sind,

bilden auch Muster heraus.

Der Geist ist wie der Wind und der Körper ist wie Sand:

Will man wissen, wie der Wind weht,

kann man das am Sand ablesen.“



Also Spuren, die der Geist im Körper hinterlässt.

Aber auch Spuren, die der Körper hinterlässt, Spuren im Geist.

Körper wie Geist, Geist wie Körper, jeder hinterlässt Spuren im anderen.

 

Philosophie und Poesie des Körpers

Eines der wertvollsten Geschenke, die das Body-Mind Centering® zu bieten hat, ist die wertfreie Erforschung des eigenen Körpers mit all seinen unterschiedlichen Systemen, Geweben und Zellen. Das Ergebnis dieser immer neuen Forschungsreise ist ein klareres Körperbewusstsein und erweitertes Bewegungsspektrum – unter Anleitung, aber ohne Formvorgaben. Stets wandelbar, dabei doch keineswegs beliebig oder unpräzise.

Wie in Physical Philosophy dargestellt, bringe ich meine künstlerischen Arbeit stark in Verbindung mit meiner Zusammenarbeit mit Menschen. Zunehmend liegen meinem Unterricht philosophische Fragestellungen zugrunde, denen wir nicht so sehr über den Intellekt, sondern über den direkten physischen Ausdruck (in Bewegung, Stimme, Berührung...) nachgehen, auf die Spur kommen – ohne den Anspruch allgemein- und endgültiger Antworten.

Es geht um die persönliche Entwicklung jede(s) Einzelnen. In körperlicher wie auch seelischer Hinsicht. Wer das will, auch in spiritueller Hinsicht. Über den Körper als Partner, weil er oft klarere Antworten gibt als unser Denken. Über die Bewegung als Zugang, weil sie vieles spürbar und vor allem Freude macht.

Dabei liegt das Augenmerk nicht auf der Pathologie, sondern auf unserer Kreativität.

Und die Methodik?

Bewegung. Spaß. Genuss.

Wir begeben wir uns auf eine Forschungsreise in den eigenen Körper. Dabei lernen wir verschiedene Systeme des Körpers und die Methoden kennen, die das BMC zur Annäherung und Erfahrung anbietet:

Über Körpermeditationen und angeleitete sowie freie Bewegungsstudien können un­mittelbare Körpererfahrungen gemacht werden. Über anatomi­sche und physiologische Veranschaulichungen wird konkretes Wissen vermittelt. Stimm- und Atemarbeit helfen, den Körper als Gesamtheit zu erfahren. Wir nutzen all unsere Sinnesorgane, vor allem auch die Berührung für manu­elles Erfahren in Einzel- und PartnerInnenarbeit. Und wir gehen in den Ausdruck, für uns alleine oder mit anderen. Improvisationen können ihre Motive in der vorausgegangenen Körper- und Stimmarbeit finden oder auch in Impulsen aus der Sprache und Kunst.

Für Bewegung und Geist: Schnellig­keit. Ruhe. Tanz. Durchlässigkeit. Balance. Konkrete Freiheit.

 

Passend für alle – aber auch für alle dasselbe?

In ihrer Offenheit spricht diese Arbeit eine Vielfalt von Menschen an: Menschen jeder Altersstufe und jeden Geschlechts, Neueinsteiger und bereits in diesem Arbeitsbereich Lehrende, ErzieherInnen, Führungskräfte und ManagerInnen, Amateure und Profis aus Tanz, Körperarbeit und Therapie.

Dass BMC für alle wertvolle Erfahrungen bereithält, heißt jedoch nicht, dass die Kursinhalte für alle dieselben sind. Vielmehr lässt sich themenspezifisch für jede Gruppenzusammensetzung ein ganz eigenes Angebot erstellen. So wird eine Fortbildungsveranstaltung für ErzieherInnen andere Schwerpunkte haben als beispielsweise mein fortlaufender Kurs an der Tanzfabrik, wo zudem aufgrund der Möglichkeit einer Schnupperstunde die konkrete Gruppenzusammensetzung bis zum Beginn der Stunde nicht vorhersehbar ist.

Gerne bereite ich themenspezifische Seminare für feste Gruppen vor:

Das kann für eine Führungskräftetagung zur Jahresbilanz beispielsweise eine begleitende Körperarbeit zum Thema „Abschluss und Neubeginn“ sein.

Oder auch die systemische Herausarbeitung von Gruppenkonstellationen in einem Arbeitsteam – anhand der Organe beispielsweise: zusammengefasst unter dem gemeinsamen Begriff, hat doch jedes Organ seine spezialisierte, von den anderen sehr verschiedene Aufgabe zu erfüllen. Und nur ihr Zusammenwirken lässt den Gesamtorganismus optimal gedeihen.

Das kann auch ein spezifisches Tänzertraining zu einem ganz speziellen Themenschwerpunkt nach Wunsch sein.

BMC ist variabel und spezifisch zugleich.

Vergleichen Sie für folgende Arbeitsschwerpunkte auch die angegebenen Seiten:

 

Wie wirkt Body-Mind Centering®?

BMC hat einen sehr praktischen Ansatz. Die im Unterricht oder in den Einzelstunden erlangten Erfahrungen und neuen Fähigkeiten werden vom Körper gespeichert. Sie nehmen sie also mit nach Hause und können sie im täglichen Leben anwenden.

Dabei erfolgt das Lernen oft auf einer sehr tiefen Ebene und nicht so sehr kortikal, also vom Bewusstsein erfasst. Das ist manchmal frustrierend oder sogar verstörend, da wir so sehr daran gewöhnt sind, alles gleich mit dem Nervensystem einzuordnen, zu verstehen und abzuspeichern. Wirkliches Neu-Lernen passiert aber auf einer von Denkkonzepten noch unverfälschten Ebene: zellulär. Man spricht hier auch vom Körperlernen und in seiner Folge vom Körperwissen.

Wenn nun aber das Gehirn nicht wie gewohnt sofort erfassen kann/darf, was da nun neu gelernt wird, reagiert es manchmal mit Unglauben, gar Unmut, leugnet gern die Bedeutung dessen, was da passiert. Es bedarf schon einer Portion Gelassenheit und Vertrauen, sich auf diese Arbeit und ihren Wert einzulassen. Setzt sie doch oftmals tiefgehende Prozesse in Gang, deren Manifestierung sich zwar manchmal sofort, häufig erst nach Tagen und Wochen verdeutlicht.

Habe ich die Muße, diese Prozesse passieren zu lassen? Und während sie sich herausformen, ansiedeln, setzen: kann ich den Zustand kortikalen Unwissens annehmen, vielleicht sogar genießen?

Belohnt werde ich am Ende hinreichend, denn diese Art des Lernens führt zu nachhaltiger Integration, zu neuen Formen der Wahrnehmung meiner Selbst und der Welt um mich. Jede Zelle des Körpers ist beteiligt an dieser unbewussten Verarbeitung der Informationen, die erst im Laufe der Zeit in das bewusste Verständnis, in die bewusste Erfahrbarkeit aufsteigen. Deshalb ist es lehrreich, sich auch über die BMC-Stunde hinaus zu beobachten und aufmerksam zu sein für spätere, feine Veränderungen.

Und zum Weiterforschen zu Hause:

Wenn Sie diese Arbeit zu Hause fortsetzen und dabei meine Anleitung haben möchten, kann ich Ihnen meine Audio-CD anbieten (siehe Offers – Medien). Sie ist bislang nur auf Deutsch erhältlich.

Dagegen sind die meisten Bücher zum BMC bislang nur in Englisch erhältlich. Ich liste sie im Folgenden dennoch für Sie auf, beginnend mit dem Standardwerk von der Gründerin des BMC:

Bonnie Bainbridge Cohen
Sensing, Feeling, and Action
The Experiential Anatomy of Body-Mind Centering
Contact Editions
www.contactcollaborations.com
ISBN 0-937645-03-06

 

 

Gill Wright Miller, Pat Ethridge, Kate Tarlow Morgan (Editors)

Exploring Body-Mind Centering

An Anthology of Experience and Method

North Atlantic Books

ISBN 978-1-55643-968-1

 

 

Linda Hartley
Wisdom of the Body Moving
An Introduction to Body-Mind Centering
North Atlantic Books

 


Andrea Olsen (auch in Deutsch erhältlich)
Body Stories
A Guide to Experiential Anatomy

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